Kleine Biester, nützliche Jäger

Sie mögen süsse Getränke, gegrilltes Fleisch und Kuchen. Sie naschen ungefragt vom Tellerrand und sind nicht nur deswegen sehr unbeliebt: die Wespen. Umschwirren die gelb-schwarzen Insekten die Naschereien auf dem Tisch, sehen viele Leute Rot. Panikartig fuchteln sie mit den Händen um sich, in dem Wissen, dass man gerade das nicht tun sollte. Angstschweiss lockt die Tiere erst recht an. Doch die Angst ist meist übermächtig und die Fliegenklatsche scheint die Lösung um das lästige Biest loszuwerden. Doch damit tut man der Wespe unrecht. Wespen sind sehr nützliche und keine bösartige Tiere.

Wespen gehören zur Gattung der Hautflüglern, zu denen auch Hornissen, Bienen, Hummeln und Ameisen zählen. Die deutsche und die gemeine Wespe sind die in Mitteleuropa am meisten verbreiteten Wespenarten. Sie leben in Völkern und sterben nach einer Saison. Wespen sind Jäger. Zu ihrer Beute gehören Spinnen, Fliegen, Heuschrecken, Raupen und Baumschädlinge. Wespenvölker erbeuten Unmengen an Insekten. Die Königin erwacht im Mai aus der Winterstarre und beginnt an einem geschützten Ort mit dem Nestbau und legt die Eier ab. Wespen richten sich nur für ein Jahr an diesem Ort ein. Für den Nestbau nagen sie mit ihren Kiefern Fasern von totem Holz, oder abgestorbenen Pflanzenstängeln und mischen sie mit ihrem Speichel. Der Brei wird Schicht für Schicht auf dem Nest ausgestrichen und sieht aus wie ungebleichtes Papier. So faszinierend ein solches Naturwerk aus sein mag, manchmal kommt es vor, dass sich ein Wespennest an einem sehr ungünstigen und unerwünschten Ort befindet. Dann hilft nur einer – der Kammerjäger.

Daniel Kreienbühl von Kreienbühl Reinigungen in St. Gallen ist spezialisiert auf Schädlingsbekämpfung. Er rät davon ab, selber ein Wespennest entfernen zu wollen, egal wie gross es ist. Das sei nicht ungefährlich. Die Wespen niesten sich mit Vorliebe in unbenutzte Rollladenkästen und zwischen Ziegeln und dem Unterdach ein. Kreienbühl rückt den unerwünschten Eindringlingen am morgen früh oder spätabends, dann wenn die Arbeiterinnen noch nicht ausgeflogen sind, mit Schutzbekleidung und Chemiekeule zu Leibe. Anders sei es nicht möglich ein Nest zu entfernen. Man könne es aber auch gut sein lassen. Der Kammerjäger empfiehlt jedoch hingegen im Herbst die verlassenen Wespennester auf dem Estrich zu entfernen. Die toten Larven in den Waben würden andere Schädlinge anziehen.

Wespen sind nicht angriffslustig. Aber sie wehren sich, wenn sie sich bedroht fühlen. In der Nähe eines Nestes ist die Bereitschaft zu Stechen höher. Wurde man gestochen, sollte man die Einstichstelle mit Eiswürfeln oder kaltem Wasser kühlen. Essigsauere Tonerde, ein juckreizstillender Gel oder Tinkturen helfen zur Linderung. Vorbeugend kann ein Antiallergikum eingenommen werden. Bei Stichen im Mund und Rachen, sowie bei Allergiesymptome wie Atem- und Kreislaufbeschwerden oder Ausschlägen ist der Arzt oder der Notruf (144) zu verständigen. Um Wespenstichen vorzubeugen, sollte man heftige Bewegungen vermeiden, Speisen im Freien abdecken und nicht aus Flaschen trinken. Eine weit entfernte Wespenfalle lockt die Insekten vom Sitzplatz weg. Doch letztendlich sollte man versuchen, sich mit den Nützlingen zu arrangieren und mit ihnen auszukommen.

 

Für eine Wespenfalle Marke Eigenbau braucht es eine leere Pet-Flasche. Dieser schneidet man den «Kopf» ab und steckt diesen Trichterförmig in den Rest der Flasche. Als Lockstoff verwendet man eine Mischung aus 60 Prozent Bier, 20 Prozent Weinessig und 20 Prozent Himbeersirup, sowie ein kleiner Schuss Abwaschmittel. Die Flasche stellt man dann in die Flugzone der Wespen. Die Insekten werden von der Köderflüssigkeit angezogen, geraten durch den Trichter in die Flasche und können nicht mehr hinaus.

 © Melanie Graf

 

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