Willkommen auf dem Bauernhof

Agrotourismus – Eine Oase der Ruhe

Antonius und Elfriede Wucher bewirtschaften in Weiler-Simmerberg im Allgäu, nur einen Steinwurf von der österreichischen Grenze entfernt,  einen Bio-Bauernhof mit Milchkühen. Sie produzieren Heumilch und vermieten Ferienwohnungen an Familien mit Kindern.

Die ganze Nacht hat es geschüttet wie aus Kübeln. Nun verziehen sich die letzten Wolken und Nebelschwaden und machen der Sonne Platz. Die frische Morgenluft an diesem Samstag liegt feucht auf der Haut und es riecht nach einem jungen Sommermorgen nach einer Regennacht. Feucht glänzen die Edelrost-Figuren zwischen den Sträuchern. Hier und da ist ein hübsches Blumenarrangement zu entdecken.

Die Bauernfamilie Wucher hält 16 Milchkühe und produziert Heumilch. Im Jahr 2014 haben Wuchers einen Laufstall gebaut. 24 Hektaren landwirtschaftliche Nutzfläche und ein paar Hektaren Wald umfasst der Hof. Die Möglichkeit zu Vergrössern besteht kaum. «Rundherum ist alles vergeben», sagt Antonius Wucher. Und wenn es mal etwas Land zu pachten gäbe, gehe es an die Österreicher. Diese würden deutlich mehr Pachtzins bezahlen. Der Landwirt kann sich ein Schmunzeln nicht verkneifen und gibt zu, dass seine Heumilch auch über die Grenze nach Sulzberg gehe. «Aber die Sennerei bewirtschaftet ein deutscher Pächter.»

«Die Milch geht nach Österreich. Aber die Sennerei bewirtschaftet ein Deutscher.»

Auf der Weide grasen Braune, Holstein und Jerseys.  Mit der Heumilch holt die Bauernfamilie ein paar Cent mehr pro Kilo Milch heraus, dennoch ist und bleibt der Agrotourismus eine wichtige Einnahmequelle. Drei Ferienwohnungen vermieten Wuchers wochenweise an Feriengäste. Die Wohnungen sind die ganze Saison bis September und darüber hinaus belegt.

Bereits die Mutter von Antonius hat Zimmer an Studenten vermietet. Damals waren es Zimmer mit einer Etagendusche. Antonius Wucher kann sich gut an den Beginn des Agrotourismus auf dem Wucherhof erinnern. Es begann im Jahr 1963. Nach wochenlanger Kälte fror der Bodensee zu. Die Mutter bot die Zimmer mit Frühstück an. Auch Elfriede Wucher erlebte diese Zeit noch, als sie auf den Hof kam. «Das war sehr zeitintensiv», erzählt die Bauerntochter. Man habe aber so weitergemacht, bis dann 1989 die Mauer fiel. «Da kam eine Flut von Touristen aus dem Osten auf unsern Hof», erzählt sie. Bald genügten die Zimmer mit der Etagendusche nicht mehr den Ansprüchen der Gäste.

1993, 96 und 99 baute die Familie die Zimmer im Haus zu Wohnungen um. «Alles mit Eigenleistung», sagt der handwerklich geschickte Antonius Wucher.  Heute besuchen den Hof vor allem Familien aus Nord- und Ostdeutschland.

«Mein Enkel entschleunigt mich.»

Wer tagtäglich fremde Menschen auf dem Hof hat, muss lernen, sich zurückziehen zu können. Eine Kunst. Die Familie Wucher versteht es aber, wie sie ihre Privatsphäre schützen kann. «Das Landwirtschaftsamt bietet zu diesem Thema Weiterbildungen an. Auch gibt es die Möglichkeit, dass wir Ferienhof-Anbieter untereinander in Kontakt stehen und uns austauschen können», sagt Elfriede Wucher. Die private Wohnung ist zuoberst im Haus. Die Ferienwohnungen liegen darunter. Auch gibt es am Sonntag keinen Wohnungswechsel, keine An- und Abreisen. Der Sonntag ist der Familie heilig.

Der 27-jährige Sohn Kilian, seine Frau Barbara und der einjährige Sohn Anton leben auch auf dem Hof. Kilian ist Meisterlandwirt. Er wird eines Tages den Betrieb übernehmen. Er arbeitet, wie sein Vater, Vollzeit auf dem Bauhof der Gemeinde.

Der kleine Anton ist für Grossmama Elfriede Entspannung pur. «Der Umgang mit dem Kleinen entschleunigt», sagt sie begeistert. Entschleunigung findet sie auch in ihrer Blumenwerkstatt. Die Floristik ist ihr Ding, der Garten trägt eindeutig ihre Handschrift. Sie steckt viel Liebe und Herzblut in diesen weiteren Betriebszweig hinein. Sie gestaltet Dekos, bindet und arrangiert Sträusse und Bouquets für Hochzeiten und Beerdigungen.

Als Ferienhof ist der Wucherhof dem Verein «Mir Allgäuer – Urlaub auf dem Bauernhof» angeschlossen. Dieser bietet ihnen eine Werbeplattform und vertritt politische Interessen nach aussen. Der Hof trägt zudem die Prädikate «Natur und Aktiv» und «Kinderbauernhof». Dafür hat Elfriede Wucher zahlreiche Weiterbildungen absolviert.

Natur pur und Abenteuer, die Gegend um Weiler-Simmerberg ist wie geschaffen dafür. Die Natur hat rund um den Ferienhof viel zu bieten. Hochmoore, ein Schmuggelpfad und die Hausbachklamm mit dem Schluchtweg sind beliebte Ziele, unweit des Hofs entfernt. Die Hausbachklamm ist ein bekanntes Wanderziel. Der Wanderweg ist rund drei Kilometer lang und durch Sandstein und Nagelfluhgestein geprägt. Der Bach hat schöne Auswaschungen und Strudel.

Aber auch im Garten können sich die Kinder austoben. Der Kneippbrunnen im Herzen des Gartens wird dann kurzerhand zum Planschbecken und an der Feuerstelle können Würste gebrutzelt werden. Hier, in dieser Oase kann man aber einfach mal die Seele baumeln und die Natur auf sich einwirken lassen. Zwei Ziegen, Hühner und die beiden Schweine Farny und Härle sind neugierig auf die Besucher und lassen nicht nur Kinderherzen höher schlagen. Die Zeit hier auf dem Wucherhof muss wie im Flug vergehen.

An diesem Samstag ist Wechseltag. Feriengäste verlassen den Ort bis zehn Uhr. Danach wird geputzt. Am Nachmittag werden neue Gäste auf der Matte stehen. Die ganze Familie zieht mit und hilft, die Wohnungen zu putzen. «Alle ziehen an einem Strick. Anders ist es kaum möglich», sagt Antonius Wucher. «Wir teilen uns die Arbeiten, denn es geht nur gemeinsam.»

Eine Familie hat ihre Koffer gepackt, trägt das Gepäck zum Auto und verstaut es im Kofferraum. Die Gastgeber verabschieden die Urlauber. «Bis zum nächsten Jahr», sagt Elfriede Wucher und winkt dem wegfahrenden Auto hinterher.

www.wucherhof.de

© Melanie Graf

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Familie Baur in Stiefenhofen und Familie Schädler in Oberstaufen.

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