Neufundländer

Alltag mit einem Dickkopf

Carmen Stucki-Sandmeier aus dem Appenzellischen Grub weiss, was fehlende Konsequenz in der Hundeerziehung für ein Nachspiel hat. Konsequenzen, die sie beinahe an den Rand des Wahnsinns trieben. Die Erlebnisse mit ihrer Neufundländerhündin Bonita hat sie in einem Buch veröffentlicht.

Bonita hatte es faustdick hinter den Ohren. Sie brachte ihre Besitzerin oft in die peinlichsten Situationen und an den Rand der völligen Verzweiflung. Der Hund wollte einfach nicht gehorchen, war dickköpfig und schwer zu erziehen. «Und Schuld daran, war einzig und alleine ich selbst», sagt Carmen Stucki-Sandmeier. «Bonita ist mein erster Hund. Ich habe so viele Hunderatgeber gelesen, dass ich danach nichts mehr richtig gemacht habe.»Sie habe zwar eine Hundeschule besucht, aber ihre Inkonsequenz in der Erziehung sei ihr grösster Fehler gewesen. Mit einem Hundetrainer zusammen schaffte sie es, aus ihr und Bonita ein alltagstaugliches Gespann zu machen.

Bonita rannte gerne Katzen hinterher und machte auch vor fremden Wohnungstüren keinen Halt. «Es kam vor, dass ich meinen Hund aus einem fremden Haus holten musste», erzählt sie. Der Hund habe das Essen vom Tisch geklaut und nicht einmal davor gescheut, mit den Vorderpfoten auf den Stuhl zu steigen. Carmen Stucki liebt ihren Hund mit allen Macken und kann auch viele lustige Geschichten erzählen. Wenn sie im Winter die Schneefräse einsetzt, positioniert sich Bonita jedesmal an einer günstigen Stelle und lässt sich bis zur Unkenntlichkeit von Schnee zuschütten. Dass ihr Neufundländer untypischerweise wasserscheu ist, hat sie ihrem Hund schon längst verziehen.

Während Carmen Stucki ein paar Episoden zum Besten gibt, blickt der schwarze, 60 Kilogramm schwere Neufundländer in die Welt, als könnte er kein Wässerchen trüben. Die Hündin ist nun acht Jahre alt und mit der Zeit etwas ruhiger geworden. Sie würde sie aber heute noch nicht alleine vor dem Dorfladen lassen, sagt die Hundebesitzerin schmunzelnd. «Ich hätte Angst, dass sie den Haken an dem sie festgebunden wäre abreisst und alle Leute abschlabbert.»

Die Idee zum Buch «Nein- diesen Hund kenne ich nicht!» entstand vor zwei Jahren. Carmen Stucki fasste Geschichten zusammen, die sie und ihren beiden Teenager mit Bonita erlebten. Die heute 53jährige Hausfrau und Hobbyautorin schliff an den Texten, bis sie das Buch 2013 im Eigenverlag herausgab. «Das Buch richtet sich nicht nur an Personen, die sich einen Neufi anschaffen wollen, sondern an alle Hundebegeisterten», sagt sie lachend.

Das Buch ist kein Ratgeber. Das betont Carmen Stucki immer wieder. Die Erlebnisberichte kommen wie Kolumne daher. Sie schreibt von Begegnungen, Beobachtungen, der Erziehung und dem Alltag mit einem riesigen Hund. Die Geschichten sind witzig und humorvoll und manchmal regen sie zum Nachdenken an.

Die Jahre mit Bonita haben Carmen Stucki gelassener gemacht. «Ich liebe die Entspanntheit meines Hundes über alles. Da ich eine hibbelige Person bin, zwingt mich Bonita zur Ruhe», sagt sie. Nachdenklich fügt sie hinzu, dass diese spezielle Freundschaft eine befristete sei. Irgendwann müsse sie sich von ihrem treuen Begleiter verabschieden. Sie hoffe aber, noch lange vor diesem Moment verschont zu bleiben, denn bis zum heutigen Tag habe sie keine Freundschaft dazu verleitet, ein Buch darüber zu schreiben.

Einen Neufundländer würde sie sich wieder zulegen. Aus den Fehlern habe sie gelernt und wäre bei der Erziehung des nächsten Hundes konsequenter, sagt sie überzeugt und fügt schmunzelnd hinzu: «Bis mich der Hund mit grossen treuen Augen anschaut. Wer kann seinem grossen pelzigen Freund schon widerstehen.»

Das Buch «Nein- diesen Hund kenne ich nicht!» ist 2013 im Eigenverlag lebema.ch erschienen. Es umfasst 137 Seiten. ISBN: 978-3-033-04169-1. Das Buch kann unter www.lebema.ch bestellt werden.

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©Melanie Graf

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