Cassis aus der Ostschweiz

Auf dem Holderhof in Niederwild bei Gossau (SG) werden seit diesem Frühjahr Kräuter angebaut. Auch die schwarzen Johannisbeeren wurden heuer erst zum zweiten Mal geerntet. Damit will Christoph Schenk noch mehr «Regionales» in seine Produkte bringen.

Christoph Schenk ist Landwirt. Familienvater und Geschäftsmann. Der 33-Jährige hat die Handelsschule abgeschlossen und ist Geschäftsführer der Holderhof Produkte AG. Er beschäftigt heute neun Mitarbeitende.

Den Holderhof im Weiler Ufhofen in Niederwil, hat er als 20jähriger gegründet. Die ersten Holunderbäume wurden im Jahre 1998 gepflanzt. Der steigenden Nachfrage wegen wurden die Holunderkulturen bis auf heute zehn Hektaren erweitert.

Sein Vater verpachtet ihm das Land, das er für seine Projekte benötigte. Heute konzentriert er sich auf sein Kerngeschäft: Die Herstellung und Vermarktung von Holunderrohstoffen und Holunderprodukte, sowie die Herstellung von Säften und Smoothies, Erfrischungsgetränke, Sirups und Fruchtweine aus Rohstoffen, die zu einem gewissen Teil auf seinem eigenen Bauernhof angebaut werden. Dies ganz gemäss seiner Unternehmensphilosophie: «Vom Feld in die Flasche». Sein Unternehmen verarbeitet die Rohstoffe in der eigenen Abfüllanlage in Henau.

Seit einigen Jahren stellt Christoph Schenk für Schweizer Grossverteiler Cassis-Himbeersirup her. Dafür liess er einen grossen Teil der schwarzen Johannisbeeren importieren. «Die Rohstoffbeschaffung in Bioqualität wird aber immer schwieriger und teurer», erzählt Schenk. Er habe die schwarzen Johannisbeeren aus Polen und Österreich importiert. Die Lösung: Schenk setzte 2012 auf rund vier Hektaren seines Betriebs etwa 20 000 Beerensträucher. «So sind wir unabhängiger und können uns von der Konkurrenz abheben, da wir in unseren Getränken einen Rohstoff aus der Schweiz bieten können.» Damit entspricht er seiner eigenen Unternehmensphilosophie und den Labels der Grossverteiler, für die er produziert: «Aus der Region für die Region» und für «Mini Region».

Vergangenes Jahr hat er zum ersten Mal die Schwarzen Johannisbeeren geerntet. Rund sechs Tonnen konnten eingesammelt werden. In diesem Jahr rechnete er mit dem doppelten, wenn nicht mit dem dreifachen Ertrag.

Die Schwarzen Johannisbeeren sind auch unter ihrem französischen Namen Cassis bekannt. Sie gehören zur Familie der Stachelbeeren und bevorzugen nährstoffreiche und feuchte Böden. Polen stellt in Europa die grösste Anbaufläche für Johannisbeeren. Die Schwarze Ribisel, wie sie die Österreicher nennen, ist eine wahre Vitaminbombe mit einem hohen Gehalt an Vitamin C. Sie enthalten zudem grössere Mengen an Kalium, Kalzium, Mangan, Eisen und Pektinen. Sie schmeckt herber als die rote Johannisbeere. Aber zum Essen sind die Beeren nicht gedacht.

Damit das Geschäft mit den schwarzen Johannisbeeren rentiert, wird der Aufwand auf dem Holderhof gering und der Ertrag auf dem Maximum gehalten. Deshalb setzt Schenk auf Maschinen. Die vier Hektaren wurden maschinell bepflanzt. Mit einem GPS-gesteuerten Traktor und einer Setzmaschine kamen die kleinen Sträucher innerhalb eines Tages in die Erde. Ein Mitarbeiter sitzt in auf der Maschine und bestückt diese mit dem Setzgut. Die Maschine pflügt eine Schneise in den Boden und steckt die Setzlinge in die Erde. Zentimetergenau.

Die Ernte wird ebenfalls maschinell abgewickelt. Der Ernter pflückt die Früchte während der Fahrt von der Seite. Länger als einen Tag dauert die Ernte nicht. «Wir müssen günstig produzieren», begründet Schenk das rasche maschinelle Vorgehen. «Rund 60 Prozent unserer Produkte werden nach Deutschland exportiert, da müssen wir mit den Preisen mithalten können.»

Schenk scheut sich nicht vor neuen Herausforderungen. Im Gegenteil. Nach seinem Projekt «Schwarze Johannisbeeren» auf dem Holderhof, hat er in diesem Frühjahr auf einer Hektare Kräuter angepflanzt: Pfefferminze, Apfelminze, Eisenkraut, Frauenmantel, Goldmelisse, Brennessel und Kamille. Sein Ziel: frische Kräutertees für ein weiteres «Für die Region-Projekt».

Die Schweiz hat einige Anbaugebiete für Kräuter: das Wallis, das Emmental, das Puschlav, am Jurasüdfuss und in der Zentralschweiz. Viele der Betriebe produzieren für Ricola Kräuterbonbon. Die meisten Landwirte bauen Kräuter im Nebenerwerb an. Der Kräuterbau gilt als eine spannende Nische. «Der Anbau ist allerdings eine grosse Herausforderung», stellt Schenk fest. Alles könne er beim Kräuteranbau nicht maschinell abwickeln. «Es muss von Hand gejätet werden», nennt er ein Beispiel. Zudem würden die meisten Kräuteranbauer nur nach Bestellung eines Abnehmers produzieren. «Ich mache es umgekehrt», verrät er sein Konzept. «Ich baue zuerst an, dann verkaufe ich die Kräuter oder verwende sie für die eigenen Produkte.»

Bei der Ernte verzichtet Schenk allerdings nicht auf die Maschine. Die Kräuter werden während des Sommers drei bis viermal mit einer Spinaterntemaschine geerntet, danach tiefgefroren oder getrocknet und zu Tees in allen Variationen verarbeitet. «Mit den Kräutern gehe ich ein minimales Risiko ein», sagt er und fügt an: «Schweizer Kräuter sind gesucht.»

Dass Schenk Neues probiert hat auch noch einen weiteren Grund: Seine Abfüllanlage in Henau ist seit 2012 in Betrieb und hat eine Kapazität für rund 20 Millionen Flaschen im Jahr. «Die Anlage ist jedoch noch nicht ausgelastet. Heute sind es rund 12 Millionen Flaschen. Da liegt noch einiges drin.» Ideen und Rezepte für Getränke, tüftelt Schenk zusammen mit einer Laborantin aus. Diese ist in Henau für die Qualitätssicherung in der Abfüllanlage zuständig. Sie erklärt, wie die geernteten Rohstoffe wie beispielsweise die schwarzen Johannisbeeren in die Flaschen kommen:

Nachdem die Schwarzen Johannisbeeren geerntet wurden, werden die Beeren in einer Mosterei zu einem Konzentrat verarbeitet und in die Abfüllanlage geliefert. Die Zutaten eines Getränks werden in grosse Gefässe im Mischbereich gefüllt. Kleine Petflaschenrohlinge, sogenannte Petlinge in der grösse eines Daumens, werden in einer Flaschen-Blasmaschine auf die gewünschte Grösse aufgeblasen. Die Petlinge sind platzsparend und man kann die Grösse der Flasche jederzeit selber bestimmen und sich den Kundenwünschen anpassen. Die Flaschen-Blasmaschine ist seit Februar 2014 in Betrieb.

Anschliessend werden die aufgeblasenen Petflaschen gereinigt, ausgespült und mit dem gewünschten Saft abgefüllt. Die Flaschen werden etikettiert und datiert und auf Kundenwunsch verpackt. Rund 50000 Flaschen laufen in der Abfüllanlage täglich übers Band. Vier bis fünf Mitarbeiter kümmern sich um den reibungslosen Ablauf in der Anlage.

Die Mehrheit seiner Mitarbeiter ist in der Abfüllanlage beschäftigt. Auf dem Bauernhof in Ufhofen hat er einen Betriebsleiter angestellt. Selber in die Stiefel steigt Schenk nicht mehr oft. Nur noch in den seltensten Fällen. Das Unternehmen erlaube es ihm kaum noch, Maschinen selber zu steuern oder auf dem Feld anzupacken. «Mit einem Unternehmen, wie es der Holderhof geworden ist, ist man meistens mit Kunden in Kontakt oder mit Büroarbeit beschäftigt.»

© Melanie Graf

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