Labor

Bamos: Den Keimen auf der Spur

In der Bamos AG in Bazenheid werden Lebensmittel auf ihre Verkehrsfähigkeit geprüft. Viele Landwirte und Käser nehmen das Angebot in Anspruch. Ein Blick ins Labor.

Sie bilden die einfachste Lebensform auf der Erde und sind klein. Sehr klein. Die meisten von ihnen sind nicht grösser als 0,5 bis zehn Mikrometer. Einige sind friedlich oder gar nützlich. Ohne sie gäbe es beispielsweise keinen Käse. Allerdings sind Bakterien auch verantwortlich dafür, dass Milch oder Käse verdirbt. Unter den richtigen Bedingungen können sie sich rasant vermehren. Und gerade im Lebensmittelbereich sind sie nicht zu unterschätzen.

Hier bietet die Bamos AG in Bazenheid Hand. Das Unternehmen ist ein unabhängiges Labor für mikrobiologische und chemische Analytik und nimmt Lebensmittel unter die Lupe respektive unter das Mikroskop. Rund 200 bis 300 Proben werden täglich angeliefert. 9000 Kunden sind bei der Bamos erfasst. Darunter viele Landwirte und Käser. Bauern beauftragen die Bamos beispielsweise damit, die Milch ihrer Kühe auf den Gehalt sowie Trächtigkeit zu prüfen oder sie lassen die Proben auf Mastitis-Erreger testen und machen bei Bedarf ein Antibiogramm.

Weiter können Nährwerte bestimmt und die Verkehrsfähigkeit eines Lebensmittels überprüft werden, wobei der Fokus nicht nur auf Milch, Milchprodukte und Käse beschränkt ist. Die Kontrolle kann bei Fleisch, Gemüse, Trinkwasser und vielem mehr durchgeführt und der aktuelle mikrobiologische Status des Lebensmittels ermittelt werden. Die Bamos spielt dabei nicht Polizist. Die Interpretation der Untersuchungsresultate basiert auf der Eigenverantwortung des Produzenten beziehungsweise des Auftraggebers.

Möchte also zum Beispiel ein Bauer die Milch seiner Kühe untersuchen lassen, lässt er eine Probe der Bamos zukommen. Dabei kann er diese per Post schicken, selbst vorbei bringen oder bei einer der acht Sammelstellen deponieren.

Kuriere mit Kühlschränken in den Autos, holen die Probe bei der Sammelstelle ab und bringen sie nach Bazenheid. Dort untersucht das Team um Laborleiter Hanspeter Gsell die Probe. Der gelernte Molkereimeister Gsell arbeitet seit 1992 im Analytikbereich und gehört seit Eröffnung der Bamos 2007 zum Unternehmen. Die Abläufe im Haus kennt er aus dem Effeff.

«Nach der Anlieferung kommt die Probe in eine Kühlzelle und wird anschliessend im Laborinformationssystem erfasst. Die Probe wird mit einer eindeutigen Identifikationsnummer versehen», sagt Laborleiter Gsell. Wird die Rohmilchprobe auf den Gehalt untersucht, bereitet ein Laborant die Probe auf. «Dabei wird die Milch auf 40 Grad Celsius erwärmt, so dass sich die Inhaltsstoffe (Fett, Protein) homogen in der Milch verteilen. Danach kann der Gehalt bestimmt werden.» Vermutet der Bauer, dass etwas in der Milch ist, was nicht hinein gehört, wie beispielsweise Mastitis-Erreger, wird die Probe auf einem kulturellen Nährmedium angesetzt.

Ein Nährmedium ist «Futter» für die Bakterien. Dabei wird ein selektiv zusammengesetztes Pulver mit Wasser aufgelöst, sterilisiert und in sterile Petrischalen abgefüllt. Die einen Bakterien wachsen besser auf kohlenhydrathaltigen Nährböden, während andere zum Beispiel Proteine bevorzugen oder einen höheren Salzgehalt ertragen. Die «Geschmäcker» sind eben verschieden.

«Damit die Bakterien Kolonien bilden können, muss die Temperatur und die Inkubationszeit stimmen.»

«Damit die Bakterien Kolonien bilden können, muss die Temperatur und die Inkubationszeit stimmen. Je nach Keim liegt die Bebrütungstemperatur zwischen zehn und 44 Grad Celsius. Die Petrischale bleibt im entsprechenden Klima zwischen 18 Stunden und zehn Tagen im Inkubator», erklärt der Laborleiter.

Die Keimarten sind vielfältig. Wer aber mit Milch zu tun hat, wird die folgenden Bakterien kennen: Staphylokokken, Enterobakterien, Propionsäurebakterien, Buttersäurebakterien.

Sie können bei mangelnder Melkhygiene, ungenügender Reinigung oder mangelhafter hygienischer Umgebung auftauchen. Beim Melken selbst kann ein anderer Erreger verschleppt werden. Er wird gefürchtet, denn er kann für wirtschaftliche Verluste sorgen: der Staphylococcus aureus Genotyp B. Das Bakterium ist hochansteckend und verantwortlich für Euterentzündungen (Mastitis).

«Manchmal bleibt das verantwortliche Tier unentdeckt. Doch ein Indiz dafür, dass sich in der Herde ein infiziertes Tier befinden könnte, sind hohe Zellzahlen über 100 000 Zellen pro Milliliter», so Gsell.

«Wir sind in der Lage, aus der Tankmilch von bis zu 130 Kühen den Keim sicher zu bestimmen.» Somit könne der Bauer seine Herde mittels Tankmilchprobe kontrollieren und beim Nachweis von Staphyloccus aureus Genotyp B den Betrieb sanieren, damit sich der wirtschaftliche Schaden in Grenzen halte.

«Wir sind in der Lage, aus der Tankmilch von bis zu 130 Kühen den Keim sicher zu bestimmen.»

Nicht immer ist es der Staphylococcus aureus Genotyp B, der für eine Mastitis verantwortlich ist. Es gibt zahlreiche andere Bakterien, die eine Euterentzündung verursachen können. Es lohne sich bei einer Infektion den Keim zu bestimmen und nach wiederholter Infektion die Resistenz des Keimes gegen Antibiotika mittels Antibiogramm zu bestimmen, um die Kuh gezielt behandeln zu können, sagt Gsell. «Eine falsche Behandlung kommt dem Bauern meist teurer zu stehen.» Nicht nur der Antibiotikaverbrauch steht im Fokus der Öffentlichkeit. Auch dass trächtige Kühe ins Schlachthaus gebracht werden, stösst den Konsumenten sauer auf.

Als erstes Labor in der Schweiz konnte die Bamos einen Trächtigkeitsuntersuch über die Milch anbieten. «Ein solcher gibt dem Landwirt die nötige Sicherheit.» Rund 5000 Trächtigkeitsuntersuchungen macht die Bamos jährlich. Tendenz steigend.

Nach der Inkubation werden die Keime gezählt. Das Zählen übernimmt ein Zählgerät, das die Keime auf dem Bildschirm anzeigt.

Das Resultat wird auf dem internen Auftragsformular notiert und anschliessend ein Prüfbericht erstellt. Gemäss Laborleiter verlässt kein Resultat das Haus ohne Plausibilitätsprüfung. Vor der Freigabe der Resultate werden diese auf ihre Wahrscheinlichkeit überprüft. «Es gibt Resultate die man hinterfragen muss. Dann wird es eine Nachprüfung der Rohdaten oder der Probe geben», sagt er. Zum Beispiel dann, wenn die Resultate sehr hoch oder ungewöhnlich sind.

Damit die Ergebnisse nicht verfälscht werden, ist präzises und zuverlässiges Arbeiten gefragt. Überall. «Die Qualität des Proberesultats steht und fällt mit der Probeentnahme, dem Transport und der Lagerung», sagt Gsell. Das bedeutet, dass der Landwirt bei der Probeentnahme der Milch sauber arbeitet und die Kühlkette einhält.

«Die Bakterien dürfen nicht in lebensfähigem Zustand in die Umwelt gelangen»

Nach der Plausibilätsprüfung gibt die Laborleitung das Resultat frei. Dieses wird dem Auftraggeber per SMS oder Mail mitgeteilt. «Es liegt dann an ihm das Resultat zu interpretieren und zu entscheiden, ob er Massnahmen treffen möchte», sagt Gsell. «Die Bamos beschäftigt drei Melkberater, welche bei Problemen bei der Milchproduktion angefordert werden können.»

Am Ende werden die Proben vernichtet. «Die Bakterien dürfen nicht in lebensfähigem Zustand in die Umwelt gelangen», sagt Gsell. So wird ihnen richtig eingeheizt: Bei 134 Grad in einem Autoklaven (Druckbehälter) während 15 Minuten geht es mit den Bakterien zu Ende.

©Melanie Graf

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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