Hundeblick

Die Welt in den Augen eines Hundes

Hunde nehmen ihre Umgebung mit ihren Augen anders wahr als Menschen. Ihr Seh- und Farbvermögen ist nicht ganz so ausgeprägt. In der Dämmerung ist der Hund dem Menschen aber deutlich überlegen.

Die Welt der Hunde ist nicht grau. Hunde sind nicht vollständig farbenblind. Sie sehen ihre Umgebung in Farbe. Ihr Farbsehen entspricht dem eines rot-grün blinden Menschen. Muss ein Hund einen roten oder orangen Ball auf einer grünen Wiese suchen, wird er vor eine grosse Herausforderung gestellt. Er sieht alles in der Farbe gelb. Ein Hund kann rot, orange und grün nicht voneinander unterscheiden. Einen blauen Ball erkennt der Hund also besser. Rosatöne und Violet nimmt der Hund als graue Farbe wahr. Der Mensch ist ein Trichromat, ein Lebewesen, welches drei verschiedene Arten von Zapfen als Farbrezeptoren in der Netzhaut hat. Hunde verfügen über dichromatisches Farbwahrnehmung (zwei Zapfen) und können deshalb im Gegensatz zu Menschen grüne und rote Farbe nicht unterscheiden. Hunde sind jedoch fähig, rote und grüne Objekte anhand verschiedener Helligkeit zu Unterscheiden. Formen wie Vierecke und Mehrecke können von Hunden problemlos unterschieden werden.

Die Sehschärfe eines Hundes ist etwa vier bis achtmal schlechter, als die eines Menschen. Doch sehen Hunde ihr Frauchen oder Herrchen meist schon weitem. Dies bestätigt Katrin Voelter-Ratson, Tierärztin, spezialisiert auf Ophthalmologie (Augenheilkunde) an der Vetsuisse-Fakultät der Universität Zürich. «Hunde sehen sehr gut auf Entfernung sich bewegende Gegenstände. Sobald diese Gegenstände oder Menschen allerdings ruhig stehen, ist es für Hunde deutlich schwieriger, sie zu identifizieren», so die Tierärztin. Sich bewegende Besitzer könne ein Hund bis auf etwa 900 Meter Entfernung ausmachen. Sobald die Besitzer absolut still stünden, nur bis auf etwa 600 Meter. «Zusätzlich geht man davon aus, dass Hunde um ein Vielfaches besser riechen als der Mensch.»

Nicht nur was den Geruchsinn angeht, haben Hunde die Nase vorn. Hunde sehen im Dunkeln auch deutlich besser als Menschen, da sie eine höhere Anzahl Stäbchen besitzen, welche für das Dunkelsehen zuständig sind. Katrin Voelter-Ratson erklärt, dass Hunde, wie die meisten Säugetiere, ein sogenanntes Tapetum lucidum besässen, ein im Dunkeln reflektierenden Bereich im Auge, der hinter der Netzhaut liegt. Dieses reflektiert das einfallende Licht im Dunkeln zusätzlich und verbessert damit das Dämmerungssehen. Für den wilden Verwandten des Hundes, für den Wolf, ist die Fähigkeit Beute in der Dämmerung auszumachen wesentlich wichtiger, als Farben zu sehen.

Das Sehvermögen entwickelt sich im Welpenalter. Welpen öffnen ihre Augen etwa 10 bis 14 Tage nach ihrer Geburt. Die Entwicklung der Netzhaut ist mit einem Alter von sechs bis sieben Wochen abgeschlossen. Durch die weiter seitlich platzierten Augen haben Hunde ein weiteres Sehfeld, als Menschen. Die meisten Hunde sind normalsichtig «Es gibt jedoch Hunderassen bei denen vermehrt Kurzsichtigkeit festgestellt wurde. So beispielsweise beim Rottweiler oder Deutschen Schäfer», weiss die Tierärztin.

Die Sehschärfe kann sich verändern, je älter der Hund wird. Bei alten Hunden kommt es auch häufiger zum grauen Star, wodurch Hunde erblinden können. Dieser könne auch bei Tieren operiert werden, sagt die Augenheilspezialistin. Es gäbe aber auch eine Vielzahl anderer Erkrankungen, von Hornhautverletzungen- und geschwüren, über Lidfehlstellungen, trockene Auge, Bindehaut- und Augenentzündungen, sowie Netzhauterkrankungen und Sehnervenerkrankungen, welche Hunden zu schaffen machen können.

Bild: Pexels.com

© Melanie Graf

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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