Willkommen auf dem Bauernhof.

Ferien im Allgäuer Kräuter-Mekka

Der Ferienbauernhof der Familie Baur liegt im Weiler Hopfen bei Stiefenhofen auf rund 850 Metern über Meer. Hier riecht es nach feinen Kräutern und spannenden Abenteuer.

Die Sonne lacht vom Himmel. Auf dem Spielplatz spielen Kinder Fussball. Eine Mutter mit ihrem Kind steht am Kleintiergehege. Der Zwergziegenbock Herkules buhlt mit zwei anderen Zwergziegen und zwei Ouessant-Schafen um die Gunst der Besucher und um Streicheleinheiten. Ein paar Buben haben sich einige Bretter geschnappt und längen sie mit einer Stichsäge ab. Die noch unfertige Baumhütte ist durch das geäst des Baumes zu erspähen. «Hier ist immer etwas los», sagt Ramona Baur, Gastgeberin des Ferienhofs Baur im Weiler Hopfen bei Stiefenhofen und lacht herzlich. Sie, ihr Mann Andreas, Oma Christa und Opa Ottmar Baur sowie Tochter Lea empfangen den Besuch aus der Schweiz. Die Söhne Jonas und Kilian sind mit ihren Freunden auf dem Hof, am Spielen und am Baumhüttenbauen. Chiara, die älteste Tochter ist nicht da. Die Kinder der Familie Baur sind zwischen sieben und 16 Jahre alt. Für sie muss der Ferienhof der Himmel auf Erden sein. «Sie haben immer jemanden, mit dem sie ihre Freizeit teilen können, wenn sie wollen», sagt Ramona Baur.

Baur’s vermieten wochenweise fünf Wohnungen an Urlauber. Diese kommen vorwiegend aus Deutschland. Der Hof ist beim Verein «Mir Allgäuer – Urlaub auf dem Bauernhof» angeschlossen. Der Verein bietet den Ferienhöfen eine Plattform für die Vermarktung und politische Interessenvertretung.

Die Unterkünfte mit den blumigen Namen Malve, Salbei, Ringelblume, Veilchen und Vergissmeinnicht sind während der ganzen Saison und darüber hinaus belegt. Auch während der Winterferien logieren Familien auf dem Hof. Rund 300 Meter vom Haus entfernt steht ein familienfreundlicher Skilift an einem sonnigen Hang. Die Langlaufloipe führt praktisch am Haus vorbei. «Der Winter ist für uns auch sehr wichtig», sagt Andreas Baur. Die Piste werde zwar künstlich beschneit, aber leider schneie es immer weniger.

«Auch der Winter ist für uns sehr wichtig.»

Noch ist Sommer. Und dieser hat so manches Abenteuer zu bieten. Auf einem Bauernhof gibt es so viel zu entdecken. Die Gäste dürfen der Familie Baur bei der Arbeit auf dem Hof und im Stall zusehen oder sogar mit anpacken. Wie die Namen ihrer Unterkünfte versprechen, dürfen sie auch viele Kräuter kennenlernen. Am besten Barfuss: Schuhe und Socken ausziehen, das Gras zwischen den Zehen spüren und die Fusssohle von kleinen Kieselsteinen massieren lassen. Ein kleiner Barfusspfad führt direkt in Oma Baurs prachtvollen Kräutergarten.

Der kleine Ort Stiefenhofen, der zum Landkreis Lindau gehört, ist bekannt als Kräuterdorf. Im Weiler Hopfen, wo die Familie Baur zuhause ist, liegt der Naturgarten Artemisia, ein riesiger Kräutergarten mit Kräutergärtnerei und Manufaktur, Café und Hofladen, der von vielen Touristen und Auswärtigen besucht wird. Der grosse Kräuterboom kam im Jahr 2000. Davon hat sich auch die Familie Baur anstecken lassen. Christa Baur, die von allen nur Oma Baur genannt wird, hat sich zur Kräuterfachfrau weitergebildet. Der Hof erfüllt alle Voraussetzungen, um sich Allgäuer Kräuterlandhof nennen zu dürfen. Zu den Kriterien gehören unter anderem, dass im Kräutergarten mehr als 30 Kräuter zu finden und beschrieben sind. Der Kräutergarten ist Oma Baurs heiliger Ort. Sie zeigt auf das Maggikraut, die Nachtkerzen, auf den Mohn, den Liebstöckel und erzählt, welche Geheimnisse hinter den Pflanzen stecken. Ihre Enkeltochter Lea lauscht Omas Ausführungen interessiert.

Der alte Anbindestall neben dem Wohnhaus wurde zu einem Treffpunkt für die Gäste umgebaut. Opa Baur erzählt, wo das damals die Kühe angebunden waren. Man kann es kaum glauben. Hier sollten Kühe gestanden sein? Die Räume präsentieren sich modern mit urigem Charme. Es gibt ein Fitnessraum, eine Toilette und eine Sauna. Dazu ein Kräuterzimmer und ein Kräuterraum. Darin trocknen die frischgepflückten Kräuter aus dem Garten.

Ramona Baur öffnet die Tür zum Kräuterraum. Es riecht intensiv nach feinen Kräutern. Gänseblümchen, Spitzwegerich, Rosen, Lavendel und andere Kräuter hängen büschelweise kopfüber von Balken und der Decke. Manche Kräuter sind hübsch auf Tellern arrangiert. In Schubladen trocknen Lindenblüten, Ringelblumen, Sonnenhut und Melisse. Weizen- und Roggenähren gucken aus Körben. Ein Fest für die Sinne. «Die Kräuter verarbeiten wir selbst zu Liquören und Tee’s oder basteln damit Kräuterkränze», sagt Oma Baur. Ramona Baur findet es schön, dass die Kinder – auch die eigenen – von Oma Baurs Wissen profitieren können.

«Die Kräuter verarbeiten wir zu Liquören oder Tee’s.»

Kräuter sind faszinierend und Baurs wissen, wie sie damit ihre Gäste begeistern können. Auch die Reaktion der Gäste, wenn sie – oft zum erstenmal – das frische Heu im Heustock riechen- bereitet Baurs eine wahre Freude.

Andreas Baur produziert Heumilch, die er rund 50 Meter vom Haus entfernt an eine Sennerei abliefert. Die Sennerei ist eine Genossenschaft an der 14 Bauern beteiligt sind. Sie verarbeitet rund 2,8 Millionen Kilo Milch im Jahr. Der Hof ist nicht Bio-zertifiziert. «Der Schritt wäre klein», sagt Andreas Baur, aber er sei eher der intensivere Typ und irgendwann sei der «Biomilchkessel» voll, ist er überzeugt.

Rund 60 Hektaren Wiesland bewirtschaftet die Familie Baur. Mit dem duftenden Heumilch-Heu werden die 60 Braunvieh-Milchkühe gefüttert. Im Sommer dürfen die Kühe jeweils morgens auf die Weide. Wenn es zu heiss ist und die Fliegen und Bremsen lästig werden, kommen die Tiere zurück in den 1994 erbauten Laufstall. Hier drinnen ist es hell und angenehm kühl. Ein grosser Lüfter und offenen Stallwände sorgen für eine gute Luftzirkulation.

Andreas Baur besamt die Hälfte der Kühe mit Weissblauen Belgiern. Zuchttiere verkauft er an einen Aufzuchtbetrieb und kauft sie vor dem Kalben wieder zurück. Damit habe er die besten Erfahrungen gemacht, sagt er.

Die gastgebende Familie sollte man immer noch kennen.»

Der ganze Hof ist über die Jahre gewachsen und modernisiert worden. Agrotourismus wird aber schon seit den 1960er-Jahren angeboten. Oma Baur erinnert sich: «Damals waren es noch einfache Zimmer mit Etagendusche». Zudem hatten die Gäste Vollpension und sie wurden fast rund um die Uhr betreut. «Das war sehr zeitintensiv und heute kaum mehr vorstellbar.» Für Sohn Andreas war klar, dass der Betriebszweig beibehalten wird. Seine Frau wuchs auch auf einen Bauernhof auf, allerdings ohne Agrotourismus. Für sie war die Umstellung aber kein Problem. «Ich bin ein geselliger Typ und mag Leute um mich herum», sagt sie. «Der Ferienbauernhof zu bewirtschaften macht Spass und bedeutet zusätzliches Einkommen», sind sich die Eheleute einig.

Der Hof ist gross, aber immer noch familiär. «Das ist uns wichtig», sagt Ramona Baur. «Die gastgebende Familie sollte man immer noch kennen.»

www.ferienhof-baur.de

©Melanie Graf

Auch die Familie Schädler und die Familie Wucher bieten Agrotourismus an. Lesen Sie dazu die Reportagen über diese Familien.

Informationen über den wirtschaftlichen Aspekt des Agrotourismus im Allgäu lesen Sie hier.

 

 

 

 

 

 

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