Unterstützung
Gesellschaft

Freiwilliges Engagement für die Gesellschaft

Sie engagieren sich in Vereinen, Kirchen, in der Politik, in öffentlichen Institutionen oder in der Kinderbetreuung und helfen Nachbarn, Verwandten und Bekannten – und leisten einen wertvollen Beitrag an die Gesellschaft. So wie Martha Meier – Beraterin beim Sorgentelefon 143.

«Es ist wichtig, dass man sich gegenseitig hilft. Es muss nicht immer alles bezahlt sein», sagt Martha Meier. «Freiwilliges Engagement ist für die Gesellschaft ein Gewinn, und vor allem ein Gewinn für sich selber». Sie investiere ihre Zeit gerne in die Freiwilligenarbeit, denn das was sie zurückbekomme sei unbezahlbar. Ihre freiwillig geleisteter Einsatz sei sehr erfüllend und mache sie zufrieden. Martha Meier arbeitet seit zehn Jahren als Beraterin unentgeltlich bei der Dargebotenen Hand, dem Sorgentelefon 143.

Die Dargebotene Hand beschäftigt rund 600 freiwillige Mitarbeitende in der ganzen Schweiz. Es ist eine Anlaufstelle für Menschen in schwierigen Lebenslagen und mit alltäglichen Sorgen. Mitarbeitende sind rund um die Uhr für Anrufende da, hören ihnen zu und beraten sie bei ihren Problemen. Die Mitarbeitenden der Dargebotenen Hand bleiben zu ihrem eigenen Schutz anonym. Martha Meier – es ist nicht ihr richtiger Name, ist Bäuerin im Thurgau. Die 58-Jährige ist Mutter von drei erwachsenen Kindern und dreifaches Grosi. Sie bewirtschaftet mit ihrem Mann einen Milchwirtschaftsbetrieb mit 16 Milchkühen und 16 Hektaren Wiesland und Ackerkulturen. Martha Meier mag die Natur, die Tiere, ihren Garten und den Bauernhof. Ihre private Umgebung hilft ihr, die gehörten Probleme der anderen Leute zu verarbeiten. Wenn sie doch mal an ihre Grenzen stosse, spreche sie sich in regelmässigen Supervisionen aus, sagt sie. Sie möchte jedoch nicht auf ihr Engagement bei der Dargebotenen Hand verzichten. Sie sei ihr sehr wichtig.

Martha Meier war selbst schon in schwierigen Lebenssituationen und weiss wie wichtig es ist, dass dann jemand da ist, der zuhört. Sie habe ein Familienmitglied durch Suizid verloren und habe sich schuldig gefühlt. Es habe ihr selbst wahnsinnig gut getan, dass sie mit jemandem darüber reden konnte, sagt sie und ist überzeugt: «Reden hilft». Wenn sie zur Arbeit in ihr Büro in der regionalen Stelle in St. Gallen gehe, tauche sie in eine andere Welt ein, sagt die Bäuerin. Bei der Heimfahrt mit dem Auto, könne sie über das Gesprochene nachdenken und langsam abschalten. Die Arbeit auf dem Bauernhof lässt sich mit ihrem Engagement sehr gut vereinbaren. Wenn es dann ums heuen gehe, könne sie von zu Hause aus arbeiten. Martha Meier berät die Hilfesuchenden dann am «Dargebotenen Hand – Onlinechat und in der E-Mail-Beratung».

 Martha Meier arbeitet etwa 8 bis 16 Stunden im Monat unentgeltlich und liegt damit im Durchschnitt. Personen, welche einer unbezahlten Tätigkeit nachgehen, setzen sich durchschnittlich 1 1/2 Stunden pro Monat für ihr Engagement ein. Laut einer aktuellen Studie aus dem Jahr 2007 des Bundesamt für Statistik, wendet die gesamte Wohnbevölkerung der Schweiz im Durchschnitt je drei Stunden monatlich für unbezahlte Arbeit in Vereinen oder Organisationen, für Nachbarschaftshilfe und andere Hilfeleistungen auf. Etwa 1, 5 Millionen Menschen in der Schweiz arbeiten für Organisationen oder Institutionen. Männer leisten Freiwilligenarbeit am häufigsten in Sportvereinen. Darauf folgt das Engagement für kulturelle Vereine oder Interessenvereinigungen. Bei Frauen steht das Engagement beim Sportverein ebenfalls an erster Stelle. Sehr häufig sind sie in sozial-karikativen Organisationen und kirchlichen Institutionen tätig. Daneben gibt es auch weitere unbezahlte Tätigkeiten wie Nachbarschaftshilfe, Kinderbetreuung, Dienstleistungen, Pflege und Betreuung von Verwandten und Bekannten. Gut ein Fünftel der Wohnbevölkerung der Schweiz setzt sich in diesem Bereich ein.

Wenn man alle freiwillig und unentgeltlichen geleisteten Stunden zusammenzählt, ergibt das knapp 700 Millionen Stunden pro Jahr. Martha Meier wird für ihren Einsatz bei der Dargebotenen Hand mit Dankbarkeit entschädigt, das genügt ihr. In ihrem Dorf ist die Bäuerin oft als Gemeindehelferin unterwegs. Der Job sei wohl bezahlt, doch gehe sie gewissen Aufgaben unentgeltlich nach, sagt sie und nennt Geburtstagsbesuche im Altersheim, Krankenbesuche, Unterstützung bei Trauerarbeiten oder andere belastende Angelegenheiten. Da sei sie nicht anonym und könne direkt mit den Menschen in Kontakt treten. Die dankbaren Gesichter der Menschen würden ihr so vieles geben, sagt Martha Meier.

Die Gesellschaft ist auf Menschen wie Martha Meier angewiesen. Bedauerlicher Weise ist das Engagement von Freiwilligen Rückläufig. Das Bundesamt für Statistik verzeichnete in den letzten Jahren einen Rückgang. Die Freiwilligenarbeit befindet sich im Wandel. Zwar treten die Leute häufiger in Vereinen ein, meiden jedoch zeitintensives Engagement. Das Eingebundensein in einem Dorfverein oder in der Kirchgemeinde genügt heutigen Jugendlichen nicht mehr. Geringe Mitwirkung und zeitlich beschränkte Einsätze sind gefragt. Oder Einsätze, die Prestige bringen. 17644 Freiwillige bewarben sich um einen Job an der Euro 08, 5000 davon wurden rekrutiert. Martha Meier findet Freiwilligenarbeit eine gute Sache und würde sie jedermann und jeder Frau empfehlen: «Unbezahlte Arbeit ist ohne Lohn, aber mit Gewinn».

Bild: Pexels.com

 © Melanie Graf

 

 

 

 

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