Dieselbach

Dieselbach: Von Baumwollpflückern zu Milchproduzenten

Im Weiler Dieselbach in der Gemeinde Neckertal blühte einst das Geschäft mit der Baumwolle. Im 17. Jahrhundert wohnten 23 Familien im Dorf. Heute sind es noch knapp 40 Personen, die vor allem von der Landwirtschaft leben.

Die Strasse von Magdenau Richtung Lütisburg führt an Dieselbach vorbei, einem kleinen Weiler der Gemeinde Neckertal im unteren Toggenburg. Von Dieselbach aus überblickt man das ganze Alpsteingebiet. Die Milchwirtschaft wird seit jeher betrieben, weidende Kühe und Rinder gehören zum Dorfbild. Knapp 40 Personen bewohnen den Weiler. Im Landschaftsplan der Gemeinde wird Dieselbach und seine Umgebung als «erhaltenswerter Lebensraum» bezeichnet. Dieser Raum geht südlich dem Jomerbach entlang, fliesst in das grösste Biotop der Gemeinde, das Jomertobel mit dem Nassenwald/Grüenholz. Mit dem Auto erreicht man in Kürze Wattwil, Flawil oder Wil, öffentliche Verkehrsmittel gibt es keine. Kinder im Kindergarten und Unter-und Mittelstufe werden mit dem Schulbus nach Mogelsberg geführt. Die Älteren Kinder müssen mit dem Velo oder Mofa ins OZ-Necker.

Dieselbach hat seine Glanzzeiten hinter sich. Eine Wirtschaft mit Kegelbahn, ein Dorfladen, eine Bäckerei und eine eigene Schule waren Bestandteil vom Dorf und verschwanden mit der Zeit von der Bildfläche. Die Käserei konnte sich bis Ende 2004 halten. Auch sie schloss die Türen für immer. Was bleibt sind Erinnerungen. Die Geschichte von Dieselbach wurde von einer Generation zur nächsten weitererzählt. Viele dokumentarische Schriften und Gegenstände gingen im Laufe der Zeit verloren. In einem alten Protokoll der Milchgenossenschaft Dieselbach-Herrensberg ist einiges zu erfahren. Ein ehemaliger älterer Bewohner hat die Geschichten zusammengetragen und 1982 zusammengefasst ins Protokoll geschrieben. Vieles wisse er von einem gewissen Konrad Grubenmann (geb. 1880). Dieser habe in das Dorf Dieselbach eingeheiratet und lebte bis 1973 dort, wusste manche Geschichte zu erzählen. Als 93-Jähriger starb Grubenmann in Flawil.

Beim graben auf seinem Hof seien Scherben und ein Hufeisen ans Tageslicht gekommen. In einem Museum in St. Gallen seien die Fundstücke als keltischen Ursprungs identifiziert worden, erklärt er und erzählt, dass einige Höfe im Besitz des Klosters Magdenau waren. Historische Dokumente im Kloster bewiesen dies. Weiter geht aus dem Protokoll hervor, dass im 13.Jahrhundert vor allem Milchwirtschaft und Flachsanbau die Haupteinnahmequellen waren. Auf den Betrieben wurde der Flachs zur fertigen Leinwand verarbeitet und in St.Gallen verkauft. Mit der Baumwolle im 17. Jahrhundert kam auch die Blütezeit. Damals wohnten etwa 23 Familien im Dorf. Ganze Familien konnte mit der Verarbeitung der Baumwolle leben. Nach dem Jahr 1800 kam eine schwere Zeit. Mechanische Spinn-und Webstühle verdrängten die Handarbeit. Das Kloster konnte keine Leute mehr beschäftigen. Viele Familien verliessen das Dorf. 1847 wurde der Schulbetrieb eingestellt.

Im Jahr 1905 entdeckten die Dieselbächler die Stickmaschinen für sich. Acht Stück im Dorf liefen ununterbrochen. Die Leute arbeiteten Schichtweise an den Maschinen und bewirtschafteten weiterhin die Höfe. Der erste Weltkrieg, 1914, machte das florierende Geschäft zu Nichte. Von einem Tag auf den anderen gab es Arbeitslose. Vielen blieb nur der Wegzug. Die Häuser verlotterten.

Am 1. Mai 1918 begannen die Dieselbächler mit der Käsefabrikation. Elf Dieselbacher und Vier Herrensberger Landwirte lieferten ihre Milch ab. 1932 wurde eine Milchgenossenschaft gegründet, die mit der Schliessung der Käserei 2004 aufgelöst wurde.

Das Bild entstand im Jahr 2008.

 © Melanie Graf

 

 

 

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