Wildtier Fuchs
Gesellschaft,  Tiere

Krankes oder verletztes Wildtier gefunden?

Findet man nun ein krankes, schwaches oder verletztes Wildtier ist man – sofern man kein Jäger ist – nicht per Gesetz verpflichtet, dem Tier «Erste Hilfe» zu leisten. Oder man kann der Natur seinen Lauf lassen. 

«Die meisten aufgezogene Jungtiere  werden wohl früher oder später Opfer von Autos und Katzen.»

Dominik Thiel

Doch die meisten Menschen sehen eine ethische Verpflichtung einem leidenden Tier zu helfen. Dominik Thiel ist Leiter des Amts für Natur, Jagd und Fischerei (ANJF). Ihm fällt auf, dass je naturferner und städtischer die Bevölkerung sei, umso höher werde der Tierschutzgedanke gewichtet. «Immer mehr Menschen wollen Tiere retten und helfen, auch wenn diese keine Hilfe benötigen oder eine Hilfe schädlich ist», sagt er. Und diese «Rettung» hat folgen: «Die meisten aufgezogene Jungtiere  werden wohl früher oder später Opfer von Autos und Katzen. Wildtiere, egal ob Igel, Vogel oder Fuchs, sind ein Teil der Natur, wozu auch Sterben und Kranksein gehört.»

Wildhüter weiss Bescheid

Ein krankes oder verletztes Tier aber einfach liegen zu lassen, ist auch unbefriedigend. Was also kann man tun? Gemäss Jagdgesetz «macht sich strafbar, wer Tiere jagdbarer oder geschützter Arten einfängt, gefangen hält oder widerrechtlich tötet». Zudem ist es Tierärzten untersagt, Wildtiere zu behandeln. Will man also nicht mit dem Gesetz in Konflikt geraten, gibt es nur einen Weg, dem Tier einen Gefallen zu tun. 

Mit dem Griff zum Telefon  und einem Anruf an den Wildhüter oder Jäger ist bereits ein wichtiger Schritt getan. «Wildhüter wie auch Jäger sind befähigt die richtige Entscheidung zu treffen. So kann das Tier an Ort belassen, in eine Pflegestation gebracht oder erlöst werden. Ob der Jäger aus dem Revier stammt oder nicht, spielt dabei keine Rolle», sagt Thiel. 

Risiko für Bisse

«Doch weil man oft nicht weiss, wer zuständig ist, kann man immer über die Polizei Telefon 117 oder die kantonale Wildhut gehen», rät  Thiel. Und während die Uhr bis zum Eintreffen des Wildhüters oder Jägers gefühlt langsamer tickt, heisst es geduldig zu sein und nicht auf «dumme» Gedanken zu kommen. Man riskiert Bisse oder Verletzungen, sollte man die Tiere berühren oder wegtragen wollen. Und mit Bissen und Verletzungen besteht das Risiko von Infektionen und Krankheitsübertragungen. «Wer die Tiere nicht anfasst, geht auch kein Risiko ein», sagt Thiel. Wer dennoch gebissen werde, müsse die Bissstelle beobachten und bei Veränderungen einen Arzt aufsuchen.

Die Telefonnummer 117, die Nummer des zuständigen Wildhüters oder auch die eines Jägers sind nötig, wenn man selbst mit dem Auto in einen Wildunfall verwickelt ist. 

«Wer die Tiere nicht anfasst, geht kein Risiko ein»

Dominik Thiel

«Aus Tierschutzgründen sollen alle selbst verursachten Wildunfälle gemeldet werden, auch wenn das Jagdgesetz (und damit die Pflicht für die Jäger) sich auf wildlebende und einheimische Säugetiere und Vögel ohne Insektenfresser und ohne Nagetiere beschränkt», so der Amtsleiter des ANJF. 

Die Wildhüter entscheidet, ob kranke oder verletzte Vögel in eine Pflegestation gebracht werden. Bild: Amt für Jagd, Natur und Fischerei Kanton St.Gallen
 

Wer einen Wildunfall meldet, dem droht kein Ungemach. Im Gegenteil: Wer Fahrerflucht begeht, kann unter anderem wegen Tierquälerei verurteilt werden. Zudem bezahlt die Versicherung den Schaden am Fahrzeug nicht.

Beide Bilder wurden mir vom Amt für Natur, Jagd und Fischerei des Kantons St.Gallen zur Verfügung gestellt.

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